Schneelast berechnen: Welche Last muss Ihr Terrassendach tragen?
Die Schneelast hängt von der Schneelastzone und der Höhe über dem Meer ab. In Zone 1 sind es mindestens 0,65 kN/m², in Zone 2 mindestens 0,85 kN/m², in Zone 3 mindestens 1,10 kN/m² am Boden. In höheren Lagen steigt der Wert schnell, in Zone 2 auf 500 m zum Beispiel auf 1,60 kN/m². Auf einem flachen Terrassendach rechnet man mit 80 % davon. Ein Bausatz für 0,85 kN/m² reicht deshalb längst nicht überall.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland ist in die Schneelastzonen 1, 1a, 2, 2a und 3 eingeteilt, Bayern zusätzlich in 3a. Die Zuordnung je Gemeinde veröffentlicht das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt).
- 1 kN/m² entspricht rund 100 kg pro Quadratmeter.
- Im Norddeutschen Tiefland muss die Statik zusätzlich einen außergewöhnlichen Schneefall nachweisen (Faktor 2,3).
- Am Hausanschluss kann sich Schnee anhäufen. Die Last an der Wand ist dann ein Mehrfaches des Normalwerts.
Schneelast-Rechner
Charakteristische Schneelast nach DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang. Zur Orientierung, ersetzt keine Statik. Stand: Oktober 2026.
Was ist eine Schneelastzone?
Die Schneelastzonen teilen Deutschland nach der Schneemenge ein, mit der ein Bauwerk statistisch rechnen muss. Grundlage ist die Norm DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang, die über die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) in den Ländern eingeführt ist. Welche Zone für Ihre Gemeinde gilt, steht in der Tabelle „Zuordnung der Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen“ des DIBt. Verbindlich sind laut DIBt die Bekanntmachungen der Länder; im Zweifel fragen Sie Ihr Bauamt.
Wie hoch ist die Schneelast in meiner Zone?
Die charakteristische Schneelast am Boden (sk) in kN/m² nach Zone und Geländehöhe:
| Zone | 100 m | 300 m | 500 m | 800 m | Mindestwert |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 0,65 | 0,65 | 0,84 | 1,58 | 0,65 |
| 1a | 0,81 | 0,81 | 1,04 | 1,98 | 0,81 |
| 2 | 0,85 | 0,89 | 1,60 | 3,17 | 0,85 |
| 2a | 1,06 | 1,11 | 2,01 | 3,96 | 1,06 |
| 3 | 1,10 | 1,29 | 2,37 | 4,76 | 1,10 |
Eigene Berechnung nach DIN EN 1991-1-3/NA, Tabelle NA.1. Formeln: Zone 1: 0,19 + 0,91 · ((A + 140) / 760)²; Zone 2: 0,25 + 1,91 · ((A + 140) / 760)²; Zone 3: 0,31 + 2,91 · ((A + 140) / 760)², jeweils mindestens der Mindestwert; Zonen 1a und 2a: Wert der Zone 1 bzw. 2 mal 1,25. A = Geländehöhe über NN in m. Die Formeln gelten bis 1.500 m. Stand: Oktober 2026.
Auf dem Dach: Für Dächer bis 30° Neigung, also fast alle Terrassendächer, Carports und Lamellendächer, gilt der Formbeiwert 0,8: Dachlast = 0,8 × sk. Umgebungs- und Temperaturbeiwert sind in Deutschland mit 1,0 anzusetzen (Merkblatt des Landesamts für Bauen und Verkehr Brandenburg).
Was bedeutet „Norddeutsches Tiefland“?
In vielen Gemeinden der Zonen 1 und 2 im Norden ist die Tabelle mit „Norddeutsches Tiefland“ gekennzeichnet, in Mecklenburg-Vorpommern betrifft es alle Gemeinden der Zone 2. Dort muss die Statik zusätzlich einen außergewöhnlichen Schneefall nachweisen: Bemessungswert = 2,3 × Formbeiwert × sk (MVV TB 2025/1, Anlage A 1.2.1/4). Für Berlin (Zone 2, rund 34 m) heißt das: 0,85 kN/m² am Boden, 0,68 kN/m² auf dem Dach und 1,56 kN/m² im außergewöhnlichen Lastfall. Dieser Wert wird ohne Sicherheitsbeiwert angesetzt; er ist kein höherer Normalwert, muss aber nachgewiesen sein.
Warum ist die Last am Hausanschluss höher?
Grenzt ein Terrassendach an ein höheres Gebäude, weht Schnee vom Hausdach und von der Seite an die Wand. Die Norm rechnet dafür mit einer Verwehung am Höhensprung: Der Formbeiwert kann dort bis 2,4 statt 0,8 betragen, also bis zum Dreifachen der normalen Dachlast (nach DIN EN 1991-1-3/NA, wiedergegeben im Handbuch eines Baustoffherstellers). Für offene Vordächer bis 3 m Tiefe gilt eine Obergrenze von 2,0.
Was heißt das beim Kauf eines Terrassendachs?
- Zone und Höhe ermitteln und mit dem Rechner oben die Dachlast bestimmen.
- Angabe des Anbieters prüfen: Manche Bausätze sind für 0,85 kN/m² ausgelegt, andere für 1,5 kN/m² (Kosten im Vergleich). Fragen Sie, ob sich der Wert auf die Last am Boden oder auf dem Dach bezieht und ob die Verwehung am Haus berücksichtigt ist.
- Statischen Nachweis verlangen, besonders bei Glasdächern, Lamellendächern und freistehenden Überdachungen.
- Im Winter räumen, wenn die Schneehöhe kritisch wird. Das ersetzt aber keine ausreichende Statik.
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Häufige Fragen
Welche Schneelastzone habe ich?
Das steht in der Tabelle „Zuordnung der Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen“ des DIBt, sortiert nach Land, Kreis und Gemeinde. Verbindlich sind die Bekanntmachungen Ihres Landes; das Bauamt gibt Auskunft. In Bayern sind zusätzlich die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu berücksichtigen.
Kann ich die Schneelastzone nach Postleitzahl ermitteln?
Nur eingeschränkt. Die amtliche Zuordnung ist nach Gemeinden aufgebaut, und eine Postleitzahl kann mehrere Gemeinden mit unterschiedlichen Zonen umfassen. Suchen Sie deshalb nach Ihrer Gemeinde.
Was bedeutet 0,85 kN/m²?
Das sind rund 87 kg pro Quadratmeter. 0,85 kN/m² ist der Mindestwert der Zone 2 am Boden. Auf einem flachen Dach entspricht das 0,68 kN/m². Liegt Ihr Grundstück höher oder in einer höheren Zone, reicht ein für 0,85 kN/m² ausgelegtes Dach nicht.
Gilt die Schneelast auch für Carports und Lamellendächer?
Ja, für jedes Dach. Bei Lamellendächern geben die Hersteller oft an, in welcher Lamellenstellung der Wert gilt. In Höhenlagen brauchen deshalb auch Carports stärkere Profile oder engere Pfostenabstände als im Flachland.
Was passiert, wenn das Dach die Schneelast nicht trägt?
Es drohen Verformung, Glasbruch oder Einsturz. Wer haftet, hängt vom Vertrag und vom Einzelfall ab. Lassen Sie sich die zugelassene Schneelast deshalb schriftlich bestätigen.
Quellen
- Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt): Technische Baubestimmungen, Zuordnung der Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen, Stand 07.02.2023, abgerufen 17.10.2026
- DIBt: Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen 2025/1, lfd. Nr. A 1.2.1.2 und Anlage A 1.2.1/4, Ausgabe 20.05.2025
- Landesamt für Bauen und Verkehr Brandenburg: Merkblatt Standsicherheit von Gebäuden bei Schneelasten, Fassung 08.09.2021
- Bayerisches Staatsministerium: Rundschreiben Forschungsprojekt Schneelasten, 2018
- Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (Verband): Mauerwerksbau-Lehre, Schnee (Formeln; dort Zone 2 mit Druckfehler „0,91“, richtig 1,91)
- Xella (Hersteller): Hebel Handbuch, Schneeanhäufung am Höhensprung, 17. Auflage
- Norm: DIN EN 1991-1-3:2010-12 mit nationalem Anhang DIN EN 1991-1-3/NA:2019-04 (kostenpflichtig bei DIN Media)
Stand: Oktober 2026 · Nächste Prüfung: Januar 2027 · Recherchiert und geschrieben von Roman Lange. Alle Rechtsangaben mit Quelle und Stand. Keine statische Berechnung; verbindlich ist der Nachweis des Herstellers bzw. Tragwerksplaners.